Palette versenden: Stückgutnetz oder Direktfahrt?
Für eine Palette gibt es zwei Wege. Im Stückgutnetz holt ein Nahverkehrsfahrzeug die Palette ab, sie wird im Depot umgeschlagen, oft über ein Hub weitergeleitet und vom Empfangsdepot zugestellt. Abgerechnet wird dort meist nach Gewicht, Palettenzahl oder Lademetern und Entfernung; eine Europalette entspricht 0,4 Lademetern. Bei der Direktfahrt fährt ein Fahrzeug nur Ihre Ladung vom Abholort zum Empfänger, der Preis richtet sich nach Strecke und Fahrzeugklasse.
Stückgut ist meist günstiger, wenn eine einzelne, stapelbare Europalette ohne festen Termin über eine weite Strecke geht und an beiden Enden Stapler oder Rampe vorhanden sind. Die Direktfahrt lohnt sich, wenn die Palette am selben Tag ankommen muss, empfindliche oder nicht stapelbare Ware trägt, der Empfänger keine Rampe hat oder mehrere Paletten auf kurzer Strecke in ein Fahrzeug passen.
Ein oft übersehener Punkt: Jeder Umschlag bedeutet, dass die Palette erneut mit dem Stapler bewegt und neben fremde Ladung gestellt wird. Für Glas, Elektronik oder hoch gestapelte Kartons ist das ein zusätzliches Schadensrisiko, das bei der Direktfahrt entfällt.
Palettenarten und Maße: Europalette, Industriepalette, Gitterbox
Die EPAL-Europalette misst 1.200 × 800 mm bei 144 mm Höhe, wiegt rund 25 kg und trägt laut EPAL bis zu 1.500 kg. Die EPAL-3-Palette, im Alltag oft Industriepalette genannt, misst 1.200 × 1.000 mm, wiegt rund 30 kg und trägt ebenfalls 1.500 kg. Die Halbpalette (EPAL 6) hat 800 × 600 mm und trägt bis zu 750 kg.
Die EPAL-Gitterbox hat ein Innenmaß von 1.200 × 800 mm, ist 970 mm hoch, wiegt leer rund 70 kg und trägt bis zu 1.500 kg. Das Leergewicht wird beim Versand oft vergessen: Vier Gitterboxen bringen fast 300 kg auf die Waage, bevor die Ware dazukommt.
Einwegpaletten haben keine genormten Maße und gehören zu keinem Tauschpool. Messen Sie sie aus und geben Sie die tatsächliche Grundfläche an – eine Einwegpalette mit 1.200 × 1.000 mm braucht mehr Platz als eine Europalette.
Für die Fahrzeugwahl zählt immer das Rohgewicht: Ware, Verpackung und Palette zusammen. Wie viele Stellplätze ein Fahrzeug bietet, rechnet der Lademeter-Rechner vor, ob das Gewicht passt, zeigt der Zuladungsrechner.
Palette richtig packen: stapeln, stretchen, kennzeichnen
Für die Sicherung der Ware auf der Palette ist rechtlich der Absender zuständig: Nach § 411 HGB muss er das Gut auf dem Lademittel beförderungssicher stauen und sichern. Schäden aus ungenügender Verpackung muss der Frachtführer nicht ersetzen (§ 427 HGB).
In der Praxis heißt das: schwere Teile nach unten, Kartons im Verbund stapeln, nichts über die Palettenkante hinausragen lassen. Steht Ware über, gilt das Maß der Ladung, und die überstehende Kante trifft beim Laden als Erstes die Bordwand. Ziehen Sie die Stretchfolie unten um die Palette selbst, damit Ladung und Palette eine Einheit bilden; wie das geht, beschreibt die Richtlinie VDI 3968 Blatt 5 zum Stretchen von Ladeeinheiten. Bei schweren oder scharfkantigen Gütern kommen Umreifungsbänder mit Kantenschutz dazu.
Kennzeichnen Sie jede Palette an zwei Seiten mit Empfänger, Packstückzahl und Hinweisen wie „nicht stapeln“ oder „oben“. Stecken Sie den Lieferschein in eine Tasche außen an der Folie und fotografieren Sie die fertige Palette vor der Abholung. Bei der Direktfahrt mit Maxmove hält der digitale Abliefernachweis die Übergabe mit Foto, Unterschrift und Zeitstempel fest – so ist der Zustand an beiden Enden belegt.
Wie hoch und wie schwer darf die Palette sein?
Die Grenze setzt meist nicht die Palette, sondern das Fahrzeug. Eine Europalette trägt 1.500 kg – mehr als die bis zu 1.200 kg, die der 3,5-t-Koffer insgesamt zuladen darf. Entscheidend sind Innenhöhe und gebuchte Zuladung: Im Transporter mit 2,6 m Ladelänge ist bei rund 1,35 m Höhe Schluss, im Sprinter L2 bei rund 1,80 m und im 3,5-t-Koffer bei rund 2,10 m. Messen Sie die Gesamthöhe inklusive Palette (144 mm) und Folie.
Beim Gewicht zählt alles, was auf die Ladefläche kommt. Ein Beispiel: Vier Europaletten mit je 250 kg Ware wiegen mit den Paletten rund 1.100 kg. Für den Sprinter L2 mit bis zu 1.000 kg gebuchter Zuladung ist das zu viel, der 3,5-t-Koffer mit bis zu 1.200 kg passt.
Liegen Sie im Grenzbereich, schätzen Sie nicht: Passt die Ladung nicht in die gebuchte Klasse, kann die Fahrt nicht wie geplant stattfinden. Geben Sie Höhe und Rohgewicht je Palette bei der Buchung an und wählen Sie die Fahrzeugklasse danach. Palettenladungen über 1,2 t buchen Sie im 7,5-t-LKW mit bis zu 3.000 kg Zuladung und 12 bis 15 Europaletten. Ladungen über 3 t, mit offener Ladefläche oder Kranentladung fahren als Sonderfahrt auf Anfrage.
Palettentausch und Europaletten-Pfand: was wirklich gilt
Ein gesetzlich festgelegtes Pfand für Europaletten gibt es nicht. Was im Alltag „Pfand“ heißt, ist der Gegenwert einer tauschfähigen Palette, den sich Absender, Empfänger oder Spedition berechnen, wenn nicht Zug um Zug getauscht wird. Ob getauscht wird und zu welchem Wert, regelt allein der Vertrag. Auch die ADSp 2017 stellen klar: Ohne ausdrückliche Vereinbarung umfasst ein Auftrag weder die Gestellung noch den Tausch von Paletten (Ziffer 4.8.1).
Tauschfähig ist eine EPAL-Europalette nur ohne die Mängel, die EPAL in ihren Tauschkriterien nennt: Es darf kein Brett und kein Klotz fehlen, kein Brett quer oder schräg gebrochen sein und kein verdrehter Klotz mehr als 10 mm überstehen. Die Qualitätsklassen A, B und C für gebrauchte Paletten sind eine Empfehlung und gelten nur, wenn beide Seiten sie vereinbaren.
Für Ihre Direktfahrt heißt das: Ein Palettentausch ist nicht automatisch Teil der Fahrt. Klären Sie vorab mit dem Empfänger, ob er leere Paletten zurückgibt, und halten Sie Anzahl und Zustand auf einem Palettenschein fest. Wer gar nicht tauschen will, versendet auf Einwegpaletten.
Diese Angaben braucht der Fahrer für Ihren Palettenversand
Die meisten Verzögerungen beim Palettenversand entstehen an der Rampe, nicht auf der Straße. Mit diesen Angaben bei der Buchung kommt das passende Fahrzeug mit der richtigen Ausstattung:
Anzahl und Art der Paletten (Euro, Industrie, Gitterbox, Einweg), Gesamthöhe und Rohgewicht je Palette und ob die Paletten stapelbar sind.
Ladehilfe an beiden Enden: Stapler, Rampe, Hubwagen oder nichts davon. Ohne Rampe und Stapler brauchen Sie ein Fahrzeug mit Ladebordwand und Hubwagen – das wählen Sie bei der Buchung gleich mit.
Zufahrt und Übergabe: Tor, Halle, Torzeiten und eine Telefonnummer vor Ort. Werke und Logistikzentren mit Anmeldung am Pförtner verlangen oft eine Referenz- oder Bestellnummer; tragen Sie sie ins Hinweisfeld ein.
Papiere: Lieferschein an der Palette, bei Bedarf ein Palettenschein für den Tausch.
Wer regelmäßig dieselben Strecken fährt, etwa zwischen Lager und Filiale, kann wiederkehrende Palettenfahrten als feste Aufträge einrichten lassen – sprechen Sie uns dafür über das Geschäftskonto an.